Der Krieg des Industriezeitalters

Website: FMS Lernplattform
Kurs: Der Erste Weltkrieg (SJ 24/25)
Buch: Der Krieg des Industriezeitalters
Gedruckt von: Gast
Datum: Sonntag, 21. Juni 2026, 04:29

Einleitung – Ein merkwürdiger Krieg

Grossadmiral Alfred Peter Friedrich von Tirpitz (1849–1930). Grossadmiral Alfred Peter Friedrich von Tirpitz (1849–1930).

«Ein merkwürdiger Krieg: von den Vogesen über Paris bis an den Kanal ein langer provisorischer Festungsgürtel von beiden Seiten, der nur mit schweren Blutopfern zu stürmen wäre. Auf der anderen Seite eine mit Hunderten von Millionen erbaute Festung in zwölf Tagen ohne sehr grosse Verluste genommen. Flieger, Autos spielen eine ungeahnte Rolle, wie überhaupt die Technik. Brücken und Tunnels, deren Bau sonst Jahre gedauert hat, werden in vierzehn Tagen hergestellt.» [1]


[1] Diese Beobachtungen schrieb Grossadmiral von Tirpitz am 11. Oktober 1914 in sein Tagebuch.
Zitiert nach: Hilke Günther-Arndt/Kocka Jürgen (Hg.), Geschichtsbuch 3. Die Menschen und ihre Geschichte in Darstellungen und Dokumenten. Vom Zeitalter des Absolutismus bis zum Ende des Ersten Weltkrieges, Berlin 2006, S. 266.


Der Verlauf der Westfront

Der Verlauf der Westfront

Die Hölle von Verdun

Das Schlachtfeld von Verdun Das Schlachtfeld von Verdun galt noch Jahrzehnte nach den Kämpfen als nicht begehbare «zone rouge».

«Ich sage euch Lebewohl, meine lieben Eltern», schreibt Soldat Otto Heinebach. Es ist der 20. Februar 1916. Der Berliner Student weiss genau, was ihm bevorsteht: «Wenn ich falle, tragt es bitte mit Fassung. In Gedanken lösche ich meine Lebenslampe am Vorabend dieser furchtbaren Schlacht. Vergesst mich nicht.» Am nächsten Tag bricht der Sturm auf Verdun los – Otto Heinebach stirbt in den ersten Morgenstunden im Feuerhagel.
Es ist die grausamste und längste Schlacht des Ersten Weltkriegs: Monatelang gab es keinerlei Vorankommen. 300’000 deutsche und französische Soldaten sterben, weitere 770’000 werden verwundet. Am 2. September 1916 stellt das deutsche Heer die Kampfhandlungen vor Verdun ein – es steht wieder in seiner Ausgangsstellung und hat keinen Gewinn von Territorium erzielt. Bis heute steht allein das Wort «Verdun» als ewiges Symbol für die Sinnlosigkeit des Krieges. [1]

Mach dir beim Schauen des Films «100 Jahre – Der Countdown: 1916 – Die Hölle von Verdun» Notizen zu den folgenden Bereichen:

  • Vom Bewegungs- zum Stellungskrieg
  • Die Materialschlachten: Industrialisierung des Töten
Link zum Film. Achtung: Der Film zeigt Szenen aus dem Krieg!


[1] Phoenix, 100 Jahre – Der Countdown: Grabenkrieg, http://www.phoenix.de/280893.htm (14.9.2012).

Notizen von Martin

Vom Bewegungs- zum Stellungskrieg

  • Neuer, nicht erwarteter Krieg --> im 19. Jh. selten Heere grösser als 500'000 Mann, jetzt Millionen
  • Kriegsbegeisterung, Zuversicht --> zu Weihnachten als Sieger zu Hause; für D zuerst begründet, B schnell überrannt, Truppe tief in Frankreich
  • Beiden Seiten fehlen Kräfte zum Durchbruch --> Heere graben sich in festen Stellungen ein
  • Gleiches Bild an der Ostfront
  • Strategie des Stellungskriegs = Gegner ausbluten und zermürben

Die Materialschlachten: Industrialisierung des Tötens

  • Hochgerüstete Industrienationen, immer neuere, tödlichere Waffen
  • Neue Waffen: Maschinengewehre, Handgranaten, Minen, Gas, Flammenwerfer, Panzer, Flugzeuge --> Beenden den Stellungskrieg nicht
  • Neue Uniformen --> nicht mehr bunt; Feldgrau = Tarnung
  • Materialschlacht (Bsp. «Hölle von Verdun»), gewaltige Opfer/Verluste: Industrie macht riesige Waffenproduktion möglich --> bringt keine Entscheidung

Schlachtfeld Heimat

HeimatfrontWährend des Ersten Weltkriegs übernahmen viele Frauen an der «Heimatfront» Männerarbeiten.

Der Erste Weltkrieg wird nicht nur an der Front geführt. Luftangriffe, Vertreibung, Blockade, Hunger: Die Heimat wird zum Schlachtfeld. Zum ersten Mal in der Geschichte ist die Zivilbevölkerung total in einen Krieg einbezogen.
Sie soll nicht nur Waffen produzieren, sondern auch der kämpfenden Truppe moralisch und finanziell den Rückenstärken. Tod, Hunger und Entbehrung untergraben besonders in der zweiten Kriegshälfte die Stimmung an der Heimatfront.
Der Film von Anne Roerkohl zeigt anhand weitgehend unbekannter Archivfilme, welche Register gezogen werden, um die Heimat zum «Durchhalten» zu bewegen. Eine ungeheure Propagandalawine kommt ins Rollen, wobei erfolgreich das neue Massenmedium Film eingesetzt wird.
Viele Menschen sind zum ersten Mal im Kino. Die bewegten Bilder haben eine gewaltige Wirkung, der sich niemand entziehen kann. Noch lebende Zeitzeugen in Deutschland berichten von den ständigen Sammlungen, wie «Gold gab ich für Eisen», aber auch von der grossen Not in der Heimat, von Hunger, Steckrüben und Kopfläusen.
Die Kinder von damals spielten und lernten ganz im Zeichen des Krieges. Englische Zeitzeugen erzählen von Angriffen deutscher Zeppeline auf London und wie der Hass auf die Deutschen sich in Überfällen auf deutsche Geschäfte entlädt.
Im Mittelpunkt der Filmdokumentation stehen drei Biografien: Die Pöhlands, eine Bremer Arbeiterfamilie, die durch den Krieg getrennt wird. Der Pazifist Robert Pöhland kämpft an der Westfront. Seine Frau Anna muss zu Hause in Bremen zum ersten Mal die fünfköpfige Familie alleine durchbringen. Ihre täglichen Briefe sind Zeugnisse gegen den Krieg – und gleichzeitig Dokumente des Alltags in Zeiten der Not. Käthe Buchler, eine Braunschweiger Amateurfotografin, zeigt mit ihren eindrucksvollen Bildern den patriotischen Opfer- und Durchhaltewillen des Bürgertums. Anna Nemitz, eine Berliner Sozialdemokratin, engagiert sich in der neu gegründeten USPD für ein sofortiges Kriegsende. Einem Prozess wegen Hochverrats entgeht sie nur durch den Ausbruch der Revolution im November 1918. Bei Kriegsende 1918 sind allein in Deutschland weit über 700’000 Zivilisten gestorben – vor allem Frauen, Kinder, Kranke und alte Menschen. Nach vier Jahren totaler physischer und psychischer Überforderung und völliger Erschöpfung haben die meisten Menschen nur noch den Wunsch nach Frieden. [1]

Mach dir beim Schauen des Films «Schlachtfeld Heimat» Notizen zu den folgenden Bereichen:

  • «Heimatfront»
  • Propaganda
Link zum Film

[1] Das Erste.de, Der Erste Weltkrieg. Folge 4. Schlachtfeld Heimat, http://www.daserste.de/derersteweltkrieg/folge_4.asp (14.9.12).