Der Krieg des Industriezeitalters
| Website: | FMS Lernplattform |
| Kurs: | Der Erste Weltkrieg (SJ 24/25) |
| Buch: | Der Krieg des Industriezeitalters |
| Gedruckt von: | Gast |
| Datum: | Sonntag, 21. Juni 2026, 04:29 |
Einleitung – Ein merkwürdiger Krieg
«Ein merkwürdiger Krieg: von den Vogesen über Paris bis an den Kanal ein langer provisorischer Festungsgürtel von beiden Seiten, der nur mit schweren Blutopfern zu stürmen wäre. Auf der anderen Seite eine mit Hunderten von Millionen erbaute Festung in zwölf Tagen ohne sehr grosse Verluste genommen. Flieger, Autos spielen eine ungeahnte Rolle, wie überhaupt die Technik. Brücken und Tunnels, deren Bau sonst Jahre gedauert hat, werden in vierzehn Tagen hergestellt.» [1]
[1]
Diese Beobachtungen schrieb Grossadmiral von Tirpitz am 11. Oktober 1914
in sein Tagebuch.
Zitiert nach: Hilke Günther-Arndt/Kocka Jürgen (Hg.),
Geschichtsbuch 3. Die Menschen und ihre Geschichte in Darstellungen und
Dokumenten. Vom Zeitalter des Absolutismus bis zum Ende des Ersten Weltkrieges,
Berlin 2006, S. 266.
Der Verlauf der Westfront

Die Hölle von Verdun
«Ich sage euch Lebewohl, meine lieben
Eltern», schreibt Soldat Otto Heinebach. Es ist der 20. Februar 1916. Der
Berliner Student weiss genau, was ihm bevorsteht: «Wenn ich falle, tragt es
bitte mit Fassung. In Gedanken lösche ich meine Lebenslampe am Vorabend dieser
furchtbaren Schlacht. Vergesst mich nicht.» Am nächsten Tag bricht der Sturm
auf Verdun los – Otto Heinebach stirbt in den ersten Morgenstunden im
Feuerhagel.
Es ist die grausamste und längste Schlacht des Ersten Weltkriegs:
Monatelang gab es keinerlei Vorankommen. 300’000 deutsche und französische
Soldaten sterben, weitere 770’000 werden verwundet. Am 2. September 1916 stellt
das deutsche Heer die Kampfhandlungen vor Verdun ein – es steht wieder in
seiner Ausgangsstellung und hat keinen Gewinn von Territorium erzielt. Bis
heute steht allein das Wort «Verdun» als ewiges Symbol für die Sinnlosigkeit
des Krieges.
[1]
Mach dir beim Schauen des Films «100 Jahre – Der
Countdown: 1916 – Die Hölle von Verdun» Notizen zu den folgenden Bereichen:
- Vom Bewegungs- zum Stellungskrieg
- Die Materialschlachten: Industrialisierung des Töten
[1] Phoenix, 100 Jahre – Der Countdown: Grabenkrieg, http://www.phoenix.de/280893.htm (14.9.2012).
Notizen von Martin
Vom Bewegungs- zum Stellungskrieg
- Neuer, nicht erwarteter Krieg --> im 19. Jh. selten Heere grösser als 500'000 Mann, jetzt Millionen
- Kriegsbegeisterung, Zuversicht --> zu Weihnachten als Sieger zu Hause; für D zuerst begründet, B schnell überrannt, Truppe tief in Frankreich
- Beiden Seiten fehlen Kräfte zum Durchbruch --> Heere graben sich in festen Stellungen ein
- Gleiches Bild an der Ostfront
- Strategie des Stellungskriegs = Gegner ausbluten und zermürben
Die Materialschlachten: Industrialisierung des Tötens
- Hochgerüstete Industrienationen, immer neuere, tödlichere Waffen
- Neue Waffen: Maschinengewehre, Handgranaten, Minen, Gas, Flammenwerfer, Panzer, Flugzeuge --> Beenden den Stellungskrieg nicht
- Neue Uniformen --> nicht mehr bunt; Feldgrau = Tarnung
- Materialschlacht (Bsp. «Hölle von Verdun»), gewaltige Opfer/Verluste: Industrie macht riesige Waffenproduktion möglich --> bringt keine Entscheidung
Schlachtfeld Heimat

Der Erste Weltkrieg wird nicht nur an der Front geführt.
Luftangriffe, Vertreibung, Blockade, Hunger: Die Heimat wird zum Schlachtfeld.
Zum ersten Mal in der Geschichte ist die Zivilbevölkerung total in einen Krieg
einbezogen.
Sie soll nicht nur
Waffen produzieren, sondern auch der kämpfenden Truppe moralisch und finanziell
den Rückenstärken. Tod, Hunger und Entbehrung untergraben besonders in der
zweiten Kriegshälfte die Stimmung an der Heimatfront.
Der Film von Anne Roerkohl zeigt anhand weitgehend
unbekannter Archivfilme, welche Register gezogen werden, um die Heimat zum
«Durchhalten» zu bewegen. Eine ungeheure Propagandalawine kommt ins Rollen,
wobei erfolgreich das neue Massenmedium Film eingesetzt wird.
Viele Menschen sind zum ersten Mal im Kino. Die
bewegten Bilder haben eine gewaltige Wirkung, der sich niemand entziehen kann.
Noch lebende Zeitzeugen in Deutschland berichten von den ständigen Sammlungen,
wie «Gold gab ich für Eisen», aber auch von der grossen Not in der Heimat, von
Hunger, Steckrüben und Kopfläusen.
Die Kinder von damals spielten und lernten ganz im
Zeichen des Krieges. Englische Zeitzeugen erzählen von Angriffen deutscher
Zeppeline auf London und wie der Hass auf die Deutschen sich in Überfällen auf
deutsche Geschäfte entlädt.
Im Mittelpunkt der Filmdokumentation stehen drei
Biografien: Die Pöhlands, eine Bremer Arbeiterfamilie, die durch den Krieg
getrennt wird. Der Pazifist Robert Pöhland kämpft an der Westfront. Seine Frau
Anna muss zu Hause in Bremen zum ersten Mal die fünfköpfige Familie alleine
durchbringen. Ihre täglichen Briefe sind Zeugnisse gegen den Krieg – und gleichzeitig
Dokumente des Alltags in Zeiten der Not. Käthe Buchler, eine Braunschweiger
Amateurfotografin, zeigt mit ihren eindrucksvollen Bildern den patriotischen
Opfer- und Durchhaltewillen des Bürgertums. Anna Nemitz, eine Berliner Sozialdemokratin,
engagiert sich in der neu gegründeten USPD für ein sofortiges Kriegsende. Einem
Prozess wegen Hochverrats entgeht sie nur durch den Ausbruch der Revolution im
November 1918. Bei Kriegsende 1918 sind allein in Deutschland weit über 700’000
Zivilisten gestorben – vor allem Frauen, Kinder, Kranke und alte Menschen. Nach
vier Jahren totaler physischer und psychischer Überforderung und völliger
Erschöpfung haben die meisten Menschen nur noch den Wunsch nach Frieden.
[1]
Mach dir beim Schauen des Films «Schlachtfeld Heimat» Notizen zu den folgenden Bereichen:
- «Heimatfront»
- Propaganda
[1] Das Erste.de, Der Erste Weltkrieg. Folge 4. Schlachtfeld Heimat, http://www.daserste.de/derersteweltkrieg/folge_4.asp (14.9.12).